Bernhard Marewski zum "Betreuungsgeld"
& Positionen der Landtagskandidaten 2012 - Rheinische Post . 01.05.2012
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April 2012   
Persönlich

Interview mit Ratsherrn Bernhard Marewski

Zur Diskussion
um das "Betreuungsgeld"


Herr Marewski, Sie sind selbst Vater zweier Kinder und mittlerweilesogar stolzer Großvater. Was sagen Sie zu der aktuell nicht nur in der CDU geführten Debatte um das geplante Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu Hause erziehen?

Es ist richtig und wichtig, dass wir als Kommune ausreichend Kindergartenplätze zur Verfügung stellen – hauptsächlich für Kinder ab drei Jahren. Darüber hinaus ist auch das Angebot von Plätzen für Kinder unter drei Jahren wichtig, wenn Mütter und/oder Väter arbeiten gehen wollen oder müssen oder zum Beispiel alleinerziehend sind und diese Unterstützung des Staates dringend brauchen.

Das heißt, Sie sehen die Idee des Betreuungsgeldes kritisch?

Nein, im Gegenteil, ich halte das Betreuungsgeld für richtig und notwendig. Der Artikel 6 unseres Grundgesetzes definiert die Pflege und Erziehung der Kinder als natürliches Recht der Eltern und deren in erster Linie obliegende Pflicht. Der Staat hat dazu Hilfestellungen bereitzuhalten, wo sie benötigt werden, z. B. durch die ausreichende Stellung von Kindergartenplätzen. Ich empfehle einen Blick nach Finnland. Finnlands Gesellschaftsmodell baut seit den 60er Jahren



Ratsherr Bernhard Marewski
auf die Berufstätigkeit beider Elternteile. Dort gibt es seit weit über 20 Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz im Kindergarten für Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr. Gleichzeitig hat man für die gleiche Altersgruppe ein Betreuungsgeld eingeführt, das landesweit bei über 300 Euro liegt, oftmals noch aufgestockt durch eine kommunale Zulage.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen an der Universität Helsinki verweisen darauf, dass gerade die frühkindliche Erziehung ihren Platz in der Familie haben müsse, wolle man unsichere und unruhige Kinder und Probleme in Jugend- und Erwachsenenalter vermeiden. Braucht ein Kind nicht andere Kinder, um sich sozial entwickeln zu können? „Stimmt“, so die Universitätsdozentin und Buchautorin Dr. Erja Rusanen, „aber erst ab drei Jahren.“ Zunächst bräuchten die Kinder feste Bezugspersonen, die seien nun einmal in erster Linie Mutter und Vater.

Ist es wahr, dass der verzögerte Ausbau der U3-Plätze das vom Staat zu zahlende Betreuungsgeld massiv erhöht?

Eine solche Behauptung ist schlichtweg Unsinn. Das erweiterte Angebot von U3-Plätzen und das Betreuungsgeld sind zwei Seiten einer Medaille. Beides ist notwendig. Es geht um eine bestmögliche Unterstützung der Erziehung unserer Kinder. Wenn man bedenkt, dass die Gesamtkosten eines Kindergartenplatzes heute bei monatlich über 1.000 Euro liegen, so reichen die Elternbeiträge bei Weitem nicht zur Deckung der Kosten aus. Gutverdienende Eltern zahlen in Leverkusen für einen Kita-Platz max. 627 Euro/Monat für Kinder von 1-2 Jahren und 388 Euro für Kinder von 2-3 Jahren. Diese erhebliche staatliche Subventionierung soll aus guten Gründen nicht in Abrede gestellt werden. Aber das in Aussicht gestellte monatliche Betreuungsgeld von 150 Euro nimmt sich dagegen als bescheidene finanzielle Unterstützung für diejenigen aus, die ihre Kinder in der Familie erziehen möchten. Diesen Betrag dann noch als "Herdprämie" abzutun und damit pauschal die Mütter zu diffamieren, ist ungeheuerlich.



Lesenswertes zum Thema:
(Auswahl)

2012
AbgeordnetenCheck . Kampagne JA zum Betreuungsgeld - Mütter fordern Wahlfreiheit!
⇒ AbgeordnetenCheck

08.05.2012
Birgit Kelle & Hedwig von Beverfoerde: Interview: JA zum Betreuungsgeld!
⇒ FreieWelt.net

04.05.2012
Birgit Kelle: Kinder statt Klappstühle
⇒ The European

14.04.2012
Birgit Kelle: Debatte um das Betreuungsgeld
⇒ The European

Haderthauer: Betreuungsgeld, Voraussetzungen und Ausgestaltung
⇒ Zukunftsministerium Bayern

04.02.2012
Haderthauer verteidigt Betreuungsgeld gegen Kritik aus Brüssel
⇒ Interview auf Deutschlandradio Kultur

02.02.2012
Haderthauer: Die Krippe ist kein Pflichtprogramm - TAZ
⇒ Interview in der "TAZ" mit Christine Haderthauer

10.11.2011
Birgit Kelle: Betreuungsgeld – Ein Schritt in Richtung Gerechtigkeit
⇒ Frau 2000plus e.V"

18.07.2011
Haderthauer fordert Einführung eines Betreuungsgeldes
⇒ Interview mit dem Kölner Radiosender "Deutschlandfunk"


pdf


Rheinische Post 01.05.2012

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Bernhard Marewski dazu:

"Irrtum, Herr Kollege Busch, genau auf neuere wissen-schaftliche Untersuchungen an der Universität Helsinki hatte ich verwiesen:
"... gerade die frühkindliche Erziehung müsse ihren Platz in der Familie haben, wolle man unsichere und unruhige Kinder vermeiden."

Und das kann ich nach über 40 Dienstjahren als Gymna-siallehrer bei der Unterrich-tung von Schülerinnen und Schülern im Alter von 10 bis 20 Jahren nur unterstrei-chen."

Lesenswert z.B.:
Rheinische Post . 9.5.2012 . Sprachentwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit, Übergewicht . Ärzte warnen vor neuen Kinderkrankheiten